Review: 20 Jahre Mad Flava PartyJam

23.Juli 2015, Farid

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Seht es mir nach…

 

Viele Vertreter meines journalistischen Genres gehen auf Partys und Konzerte, um einen Eindruck für diese zu gewinnen, um danach wiederum darüber zu schreiben. Ich hingegen gehe auf Partys und Konzerte, um Party zu machen und mir die Künstler reinzuziehen.

 

Ich würde behaupten, dass meine Herangehensweise deutlich mehr Spaß mit sich bringt, jedoch hat es auch den Nachteil, dass man einige Momente verpasst (meist die zu Beginn der Veranstaltungen) und man sich völlig verkatert am nächsten Tag an einige Momente nicht mehr so detailliert erinnern kann (meist die gegen Ende der Veranstaltung).

 

Im Falle der Mad Flava ink. PartyJam ist es zwar nicht ganz so dramatisch, jedoch ziemlich ähnlich gewesen. Der Tag begann mit einem Kater. Verschuldet durch die Nacht des Vortages und letztendlich ausgelebt im Hinterhof des Leipziger Werk 2.

 

Genau hier feierte der Dosen-Dealer der Stadt bereits ab 12 Uhr Mittag seinen zwanzigsten Geburtstag. Neben einem riesigen RCS-ABM, welches sich durch viele einzelne Pieces im Hintergrund zu einem sehr interessanten Projekt entwickelte, war zum anderen auch die legendäre SOC Crew mit zwei unfassbar großen und wahnsinnig detaillierten Charakters vertreten. Aber auch der nicht so versierte Can2- oder T-Kid-Von-Morgen hatte die Möglichkeit sich auszuprobieren. Untermalt durch Busy-A und Dj Conquista an den Decks war die Graffiti-Jam bis zum Eintreffen des gefühlten Weltunterganges eine sehr entspannte, wenn für mich auch sehr verkaterte Veranstaltung mit vielen bekannten Gesichtern der hiesigen Szene.

 

Das Abendprogramm begann wie der oben beschriebene Verlauf auf Partys und Konzerten. Wir kamen zu spät. Das jedoch ist nicht meiner Unzuverlässigkeit geschuldet, sondern in dem Fall einfach dem Wetter. Nachdem sich die Wassermassen für eine Himmelsrichtung entschieden hatten und wir im Trockenen das Werk2 erreichten, mussten wir zu unserem Bedauern feststellen, die Stylerkings und Mr. Opeez verpasst zu haben. Leider sollen deren Konzerte auch nicht wirklich stark besucht wurden sein, wie mir einer der Anwesenden zwischen Amaretto on the Rocks und Tüte verriet. An der Qualität der Herrschaften wird dieser Umstand sicherlich nicht gelegen haben, eher wohl der Tatsache geschuldet, dass ein Großteil der Gäste sich hier fast ausschließlich auf Grund des darauffolgenden Veranstaltungsabschnittes eingefunden hat. Der Film, bzw. ein Teil des Films der demnächst erscheinenden, zweiten Radicals-DVD feierte Premiere und sorgte dafür, dass die gesamte Halle D des Werk2 sich innerhalb von zehn Minuten komplett füllte. Während hunderte gespannt ihren Blick starr auf die Leinwand fixierten, entstand eine Energie und Stimmung im Raum, die ich in dieser Form noch nie erlebt hatte. Bei jeder Wand, jeder Schallschutzmauer und jedem Zug schrien und jubelten die Anwesenden und beglückwünschten sich gegenseitig für die von ihnen im Film durchgeführten Aktionen. Ja, ein leichter Befall von Gänsehaut stellte sich ein.

 

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Da man in dieser verkackten Location offiziell nicht rauchen darf (sorry, aber ich als Raucher finde das super schwachsinnig) kam es wie es kommen musste. Nach Ende des Films leerte sich das Werk2 binnen weniger Minuten und bot so dem nun auftretenden Slowy aus Hamburg ein ziemlich undankbares Bild auf das Publikum. Nichtsdestotrotz absolvierte er mit seinem DJ 12Vince eine gewohnt gute und unterhaltsame Show, welche durch mehrfache Unterbrechungen eines scheinbaren Kollegen begleitet wurde. Mein persönlicher Höhepunkt des Abends war der nun folgende Auftritt vom Münsteraner AzudemSK, welcher in Leipzigs Graffitiszene ein hohes Ansehen genießt und mit vielen lokalen Writern wohl auch seit einigen Jahren ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegt. Mit Brecher-Beats und einer schier unfickbaren Bühnenpräsenz bot der Westfale eine Show, die mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

 

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Wie sich im Vorfeld schon vermuten ließ, war der Secret-Act des Abends der Leipziger Morlockk Dilemma, welcher den verhinderten MC Bomber vertreten sollte. Durch den erneuten Abzug der Raucher ins Freie, bot die Halle mal wieder einen überschaubaren Blick auf den Bereich vor der Bühne. Da hatte Dilemma doch schon weitaus erfolgreichere Momente in seiner Heimatstadt.

 

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Alles in allem war der Abend für mich sehr unterhaltsam. Da die Maler der Messestadt (ausgenommen der 30-50 übertextsicheren Hardcore AzudemSK Fanatics) jedoch scheinbar nicht ganz soooo rap-affin sind wie im Vorfeld angenommen, sollte man für die zukünftigen DVD-Releases, für die Aftershow vielleicht den ein oder anderen Act aus dem Techno Bereich booken. Wahrscheinlich bleiben dann auch mehr zum Nachtdurchfeiern…

Fotos: Jessy Nowarre